Teil 4: Einteilung nach Absicherungssystem
Überprüfung der Richtlinien, Kategorisierung nach Typen

Mit Standards sind Richtlinien gemeint, die im Grundsatz auf freiwilliger Basis beruhen. Wie wir bereits gelernt haben, werden Standards von Unternehmen oder Interessensverbänden der Wirtschaft, gesellschaftlichen Organisationen, Verbraucher- und Bürgerinitiativen oder von staatlichen Einrichtungen entwickelt und herausgegeben (siehe Labelschule Teil 1).

Die Glaubwürdigkeit eines Standards hängt maßgeblich davon ab, welche Bereiche die entsprechenden Richtlinien abdecken (siehe Labelschule Teil 3) aber auch davon, ob der Zertifizierung eine unabhängige Prüfung vorausgeht.

Ein wesentliches Kriterium für die Gestaltung der Richtlinien ist deren Überprüfbarkeit. Das setzt voraus, dass die Richtlinien eindeutig formuliert und v.a. öffentlich zugänglich sind. Somit spielt die Überprüfbarkeit und Umsetzbarkeit bei der Beurteilung von Kennzeichnungen/Labeln eine wichtige Rolle.

Wir unterscheiden bei Öko-Textil-Richtlinien zwischen den zwei Typen A und B:

 

Typ A Richtlinien/Label, denen Aspekte aus der Produktions- und Entsorgungsökologie sowie ethische und soziale Bereiche zugrunde gelegt sind:

  • Duales Überprüfungssystem mit Inspektion der Betriebsstätten und der Produktionsprozesse sowie der zu zertifizierenden Produkte oder
  • Überprüfungssystem nach dem Produktlebenszyklus (Life-Cycle-Assessment) bezogen auf damit verbundene Stoffströme


Typ B Richtlinien/Label, hinter denen analytisch nachprüfbare Produkteigenschaften stehen:

  • Überprüfungssystem am Endprodukt (hinsichtlich Schadstoffgrenzwerte)

Gemäß der ISO 17020 Standards (früher ISO 14020) werden Labelsysteme (Umweltlabel) in drei Typen unterschieden, welche sich ebenfalls auf die Umsetzung/Absicherung/Überprüfung der Standard beziehen:

 

Typ I Zertifizierte Umwelt-Label, DS/EN SO/IEC 17024 (früher ISO 14024), Zertifizierung durch unabhängige Stellen:

Freiwillige, unabhängige Zertifizierung durch Dritte, in der Regel dürfen die Label nur mit Lizenzverträgen genutzt werden. Gekennzeichnet werden Produkte, die die festgelegten ökologischen Kriterien mit Anforderungen an den gesamten Lebenszyklus einhalten und entsprechend zertifiziert sind.


Typ II Selbstdeklarierte Umwelt-Labels, DS/EN SO/IEC 17021 (früher ISO 14021):

Umweltangaben ohne unabhängige Zertifizierung durch Dritte, von Herstellern, Importeuren, Distributoren, Einzelhändler.


Typ III Produktdeklaration DS/EN SO/IEC 17025 (früher ISO/TR 14025), Verifizierung durch unabhängige Stellen:

Typ III Umweltdeklaration werden durch den industriellen Sektor oder unabhängige Stellen entwickelt, dazu gehört die Festlegung von Mindestanforderungen, Kategorien, Parametern, auch die Festlegung der Beteiligung Dritter und das Format der externen Kommunikation.

 

Die Vorteile einer unabhängigen Zertifizierung der gesamten Wertschöpfungskette liegen auf der Hand. Der Nutzer sorgt für, profitiert aber auch von Nachvollziehbarkeit, Transparenz und Glaubwürdigkeit. Damit verbunden sind weitere positive Effekte, wie die folgende Abbildung zeigt.