Label-Portrait: Cotton made in Africa
Hilfe zur Selbsthilfe durch Handel

Klassifizierung:
Nachhaltigkeits-Label
Verbesserung der sozialen, ökologischen und ökonomischen Lebensbedingungen der Kleinbauern in Subsahara Afrika, ihren Familien und zukünftigen Generationen.

 

NEU: Die britische Parlamentarierin Baroness Lola Young ist seit 01. Juni 2013 Kuratoriumsmitglied der Aid by Trade Foundation (AbTF).

Baumwolle, die unter dem Label Cotton made in Africa (CmiA) verkauft wird, bleibt permanent frei von gentechnisch verändertem Saatgut. Diese Entscheidung, die das Kuratorium der Aid by Trade Foundation, Dachorganisation der Initiative CmiA, im Juni 2012 getroffen hat, gilt auch für die neue Kooperation mit der Better Cotton Initiative (BCI).
Um den bestehenden Standard von CmiA zu wahren, hält die Aid by Trade Foundation trotz der Öffnung einiger afrikanischer Länder für GM-Baumwolle daran fest, den Einsatz von gentechnisch verändertem Saatgut für das Label CmiA zu verbieten. Die Nutzung von genverändertem Saatgut ist inzwischen Teil der Ausschlusskriterien (exclusion criteria No11) im Rahmen des Cotton made in Africa-Standards.  

Eine aktuelle Studie zeigt zudem, dass CmiA Baumwolle einen erheblich geringeren ökologischen Fußabdruck hat als konventionell erzeugte Baumwolle. Da u.a. ganz auf künstliche Bewässerung verzichtet wird, spart CmiA im Vergleich zu Baumwolle aus Pakistan rund 18.000 Liter Wasser pro Kilogramm entkörnter Baumwolle; im Vergleich zu konventioneller Produktion sind dies 1.500l Wasser pro T-Shirt. Im Vergleich zum Anbau in Pakistan spart CmiA außerdem über 70 Prozent Treibhausgas-Emissionen. Der THG-Fußabdruck von Pakistanischer Baumwolle ggü. CmiA Baumwolle ist 3,4 mal höher (6,5 kg CO2-eg/kg lint vs. 1,9 kg CO2-eq/kg lint) (Quelle: "The Carbon and Water Footprint of Cotton made in Africa" study by Systain). 

Produzierte Fasermenge: in 2013 nahmen ca. 475.000 Kleinbauern an der Initiative teil und produzierten 200.000 Tonnen Baumwolle.

 

Ziel, Hintergrundinformationen:

Gründung in 2005. Mit einem unternehmensgetriebenen Ansatz trägt die Initiative zu Armutsbekämpfung und Umweltschutz in Afrika bei. In Schulungsmaßnahmen lernen Kleinbauern, umweltfreundlich und effizient Baumwolle zu produzieren, die dann von internationalen Textilunternehmen zu Weltmarktpreisen beschafft werden kann. Die Bauern profitieren durch höhere Erträge, verbessertes Einkommen, Infrastrukturmaßnahmen und Investitionen in Bildung.

Ziel der Initiative ist es, gemeinsam mit Partnern aus Wirtschaft, öffentlichem Sektor und Nichtregierungsorganisationen, verbunden in einer strategischen Allianz zu Armutsbekämpfung und Umweltschutz in Subsahara-Afrika beizutragen und so die Lebensbedingungen der dortigen Baumwollbauern und ihrer Familien zu verbessern. Die Arbeit vor Ort wird durch die Partner DEG (Deutsche Investitions- und Entwicklungsgesellschaft mbH) und die GIZ (Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit GmbH) gefördert und begleitet.


Bei Cotton made in Africa handelt es sich um eine Initiative, die ausschließlich mit Baumwollkleinbauern zusammenarbeitet. Um Textilien mit Cotton made in Africa Label produzieren zu dürfen, führen die Textilunternehmen der Nachfrageallianz eine Lizenzgebühr an die Stiftung ab. Mit den Lizenzeinnahmen finanziert die Stiftung landwirtschaftliche Schulungen, in denen die Kleinbauern moderne und umweltschonende Anbaumethoden nach den CmiA-Verifizierungskriterien erlernen, um die Ernteerträge und damit das verfügbare Einkommen der Kleinbauern zu verbessern. Dazu kommen „Farmer Business Schools", die den Kleinbauern einfache betriebswirtschaftliche Kenntnisse vermitteln. Sie helfen ihnen dabei, ihre Betriebe wirtschaftlich erfolgreich zu führen. Gemeinsam mit Unternehmenspartnern, Baumwollgesellschaften und der öffentlichen Hand investiert die Aid by Trade Foundation auch in Sozialprojekte, die zum Beispiel die schulische Infrastruktur in den Projektregionen verbessern oder Frauenkooperativen unterstützten.

Bauern werden in Grundbautechniken, landwirtschaftlichen Praktiken zum Boden-, Erosions- und Gewässerschutz, sowie Tierhaltung geschult. Für Pestizide ist eine Verbotsliste vorhanden, die allerdings weniger umfangreich ist, als bei Fairtrade Cotton, aber mehr Wirkstoffe abdeckt als die Better Cotton Initiative; die Verwendung von Pestiziden ist ebenfalls weniger scharf geregelt als bei Fairtrade.  

Aus Kostengründen wird auf eine jährliche Zertifizierung verzichtet. Glaubwürdigkeit soll über das zweijährige Verifizierungssystem garantiert werden.

 

Geltungsbereich / Regelbereich:

Es wird ausschließlich der Baumwollanbau in Afrika geregelt. 

 

Absicherungssystem / Konformitätsprüfung:

Es findet keine Zertifizierung statt. Die Aid by Trade Foundation fordert von Vertragspartner eine Selbstauskunft und jährliche Fortschrittsberichte. Zusätzlich gibt es ein selbst entwickeltes Verifizierungssystem. Alle zwei Jahre lässt die Initiative von den unabhängigen Unternehmen Ecocert und Africert die Einhaltung ihrer Richtlinien überprüfen. Bei Nichteinhaltung der Standardanforderungen folgt der Ausschluss aus dem CmiA System.

Im Rahmen eines Wirkungsmonitorings wird gemessen, inwiefern sich die Lebens- und Arbeitsbedingungen der Baumwollerzeuger durch die Teilnahme an dem Programm verbessern. Für die erfolgreiche Verifizierung wird kein Zertifikat ausgestellt, sondern eine Lizenz für den Verkauf von CmiA Baumwolle vergeben. Die erste Verfizierungsrunde erfolgte 2009. 

Im System von Cotton made in Africa wird in der Weiterverarbeitung zwischen zwei Möglichkeiten der Rückverfolgbarkeit unterschieden: Mass Balance (MB) oder Hard Identity Preserve (HIP). Beiden Alternativen liegt eine lückenlose Rückverfolgung vom Anbau über die Entkörnungsanlage bis zur Spinnerei zugrunde. Danach unterscheiden sich die beiden Systeme und der Grad der Transparenz ändert sich entsprechend.
 

In der Spinnerei findet eine  Massenbilanzkontrolle statt. Dabei wird überprüft, ob bei der Spinnerei die Bilanz von eingekaufter Menge CmiA Baumwolle und produziertem CmiA Garn stimmt. Dazu meldet die Spinnerei ihre Bestands Zu- und Abgänge an die Aid by Trade Foundation. Das System funktioniert in der Logik des „Ökostrom“-Modells und die Bilanz (Eingänge CmiA Baumwolle = Ausgänge CmiA Garne) wird auf Ebene der Spinnerei kontrolliert. 

Wird eine lückenlose Rückverfolgung vom Baumwollballen bis zum Fertigprodukt vom Handelspartner gewünscht, kann hierzu ein Hard Identity Preserved Tracking System eingesetzt werden. Die Anforderungen an das System stellt die Aid by Trade Foundation zur Verfügung, die Umsetzung obliegt dem Handelspartner. In der Kommunikation können genaue Aussagen über die Herkunft des Rohstoffs getroffen werden.

 

Kennzeichnung:

Cotton made in Africa wird im Bereich Mode- und Heimtextilien angeboten. Alle CmiA-Artikel werden mit einem roten Label gekennzeichnet. CmiA ist eine "ingredient brand". Das bedeutet, CmiA ist keine Marke für Produkte, sondern für die afrikanische Baumwolle, die als Rohstoff für Markenprodukte eingesetzt wird. Somit definiert sich CmiA als Gütesiegel und tritt neben einer bereits existierenden Marke auf bzw. wird von Markenanbietern als „Zusatzqualität" zum jeweiligen Produkt verwendet und ausgelobt.

 

Märkte:

Produkte mit dem CmiA-Label gibt es weltweit. Sie werden von Partnerunternehmen, wie C&A, Puma, Tchibo, s.Oliver, Rewe oder der Otto Group angeboten. Aktuell arbeitet die Initiative mit 475.000 Kleinbauern zusammen. Inklusive der Familienangehörigen profitieren über 3 Millionen Menschen in Subsahara Afrika von der Arbeit (Stand 2013) - Tendenz steigend.

Bisher erzielte Zahlen: Von 400.000 verkauften Kleidungsstücken aus der nachhaltigen, afrikanischen Baumwolle im Jahr 2007, steigerte die Inititative bis 2010 den Absatz um das 25-fache auf 10 Mio. Stücke. Beginn des Jahres 2011 trat die Baumwollgesellschaft Cargill / Sambia der Initiative bei, womit Cotton made in Africa immer mehr afrikanische Kleinbauern unterstützt. Die Zahl der verkauften Textilien soll auf über 15 Mio. steigen.