Label-Portrait: Fairtrade - Certified Cotton
Fairer Handel für Baumwollfarmer

Standardinhaber und Beteiligte:
Fairtrade-Standards werden von Fairtrade International (FLO e. V.) entwickelt. FLO richtet sich dabei nach den von ISEAL (International Social and Environmental Accreditation and Labelling Alliance) vorgegebenen Richtlinien ("best practice"). Die Entwicklung der Standards erfolgt durch die Abteilung für Standards. Da Fairtrade ein Stakeholder-System ist, bedeutet dies in der Praxis, dass alle wichtigen Akteure des Fairtrade-Systems beteiligt sind, wenn ein Standard entwickelt wird: dies sind neben Fairtrade International selbst unter anderem die Produzenten (in Form der Produzenten-Netzwerke), Händler und die nationalen Siegelinitiativen.

Fairtrade certified cotton
Generell müssen sich Händler und Produzenten an die allgemeinen Fairtrade-Standards für Händler „Generic Fairtrade Trade Standard" und Produzenten „Fairtrade Standard for Small Producer Organizations" halten. Neben den allgemeinen Standards muss zusätzlich der spezifische Produkt-Standard erfüllt werden. Im Fall von „Fairtrade certified cotton" heißt dieser Standard „Fibre crops (including cotton)". Hier werden auch der Fairtrade-Mindestpreis und die Fairtrade-Prämie festgelegt. 

 

NEU:

Fairtrade will ein neues Label für Textilien entwickeln. Bisher gibt es zwar Kleidung aus fair produzierter Baumwolle, bei der Weiterverarbeitung muss aber lediglich die ILO-Kernarbeitsnorm eingehalten werden, die etwa Kinder- oder Zwangsarbeit verbietet. Künftig soll nun die gesamte Produktionskette inklusive der Bedingungen für Arbeiter in den Fabriken dem fairen Standard entsprechen. In drei Jahren könnten die ersten Fairtrade-zertifizierten Hemden und Hosen zu kaufen sein, sagt Maren Sartory von Fairtrade Deutschland in einem Interview.

Da Baumwolle-Produkte, im Vergleich zu anderen Produkten, eine sehr lange und komplexe Produktionskette durchlaufen, haben viele Beteiligten des Fairtrade-Systems und auch Verbraucherinnen und Verbraucher die Hoffnung, dass nicht nur die Baumwollbauernfamilien von den Fairtrade-Standards profitieren können, sondern auch die Arbeiterinnen und Arbeiter, die in der Produktion der Textilien beschäftigt sind.

Fairtrade International hat daher ein Textil-Projekt ins Leben gerufen. Mit dem Projekt soll erarbeitet werden, wie der Fairtrade-Standard erweitert werden kann, so dass auch Arbeiterinnen und Arbeiter innerhalb der Textilproduktion von Fairtrade profitieren.

Im Rahmen des Projekts wurden fünf Pilotprojekte durchgeführt, die unterschiedliche Ansätze verfolgen. Die Ergebnisse der Projekte sollen zeigen, welcher der Ansätze funktioniert oder ob zum Beispiel eine Kombination aus verschiedenen Projekten die beste Lösung für die Erweiterung des Fairtrade-Baumwoll-Standards wäre.

Zurzeit werden die Ergebnisse der Fairtrade-Pilotprojekte zu Textilien ausgewertet. Fairtrade International arbeitet mit wichtigen Akteuren der Textilindustrie, Arbeitnehmerrechten und des Fairtrade Systems zusammen, um nach Mitteln und Standards zu suchen, durch die Textilarbeiterinnen und -arbeiter ein besseres Einkommen, mehr Sicherheit am Arbeitsplatz und mehr Wahlmöglichkeiten in ihrem Leben haben erreichen könnten.
Weitere Informationen zu den Pilotprojekten finden Sie unter auf der Fairtrade-Webseite.

 

Klassifizierung:
Fairtrade ist eine klassische Drei-Parteien-Zertifizierung. Um die physische Rückverfolgbarkeit zu gewährleisten, ist die gesamte Lieferkette zertifiziert. Die Fairtrade-Standards schreiben außerdem vor, dass alle Beteiligten der weiteren Lieferkette einen Nachweis über die Einhaltung der ILO-Kernarbeitsnormen vorlegen müssen. Das gilt für alle Schritte der Weiterverarbeitung wie Entkernung, Spinnen, Färben, Stricken, Weben, Konfektionieren. Ist kein Nachweis vorhanden, übernimmt FLO-CERT die Überprüfung. Die anerkannten Nachweise werden im „Fairtrade Standard for Fibre Crops for Small Producer Organizations" unter dem Punkt „2.4 Requirements for operators in the cotton chain" zusammengefasst. Der Fokus der Fairtrade-Zertifizierung liegt jedoch, wie bei allen anderen Produkten, auf den Rohstoff bzw. den Baumwollbauern.

 

Ziel, Hintergrundinformationen:

Fairtrade ist eine Strategie zur Armutsbekämpfung. Durch gerechtere Handelsbeziehungen soll die Situation der benachteiligten Produzentenfamilien - in diesem Fall Kleinbauern, die Baumwolle anbauen, in Afrika, Asien und Südamerika verbessert, die Binnenwirtschaft gestärkt und langfristig ungerechte Weltwirtschaftsstrukturen abgebaut werden.

2004 hat Fairtrade International (FLO) Fairtrade-Standards für Baumwolle eingeführt. Zurzeit erhalten die Baumwollproduzenten einen festen Mindestpreis und eine Fairtrade-Prämie. Alle weiteren Beteiligten der Textil-Produktion müssen einen Nachweis erbringen, dass die ILO-Kernarbeitsnormen eingehalten werden. Die Produkte aus Fairtrade-Baumwolle werden mit dem Siegel „Fairtrade certified cotton" ausgezeichnet.


Geltungsbereich:

Der Standard bezieht sich auf folgende Produkte: „Seed Cotton is the seeds and fibre of all commercially-grown species of the cotton plant: Gossypium hirsutum (upland cotton), Gossypium herbaceum and Gossypium arboreum as well as Gossypium barbadense (eg. PIMA, Giza)."

Alle Textlinen, die Mindestens zu 50 Prozent aus Baumwolle bestehen können das Fairtrade certified cotton Siegel erhalten. Sämtliche Baumwolle, die für das Textil verwendet wird, muss dann Fairtrade-zertifziert sein.

 

Absicherungssystem / Konformitätsprüfung:

Die unabhängige Zertifizierungsgesellschaft FLO-CERT überprüft vor Ort, ob bei Produzenten und Händlern die Fairtrade-Standards eingehalten und die sozialen, ökonomischen und ökologischen Standards erfüllt werden. Sie kontrolliert auch, dass die Produzentenorganisationen den festgelegten Mindestpreis und die Fairtrade-Prämie ausgezahlt bekommen. FLO-CERT ist selber nach ISO65 Richtlinien zertifiziert.

 

Märkte:

In Deutschland gibt es rund 60 Firmen, die Produkte mit dem Fairtrade-Cotton-Siegel anbieten. Weltweit sind es knapp 300 Firmen, die in den verschiedenen Lieferketten beteiligt sind. In Deutschland sind über 300 unterschiedliche Artikel aus Fairtrade-Cotton in einer Reihe von verschiedenen Vertriebskanälen erhältlich. Ob armedangels Designer T-Shirts, verschiedene Fairtrade-Kollektionen in den Adler Modehäusern oder die Comazo Unterwäschen Kollektionen erhältlich in 30 Märkte im Süden Deutschlands - Kleidung mit Fairtrade-Cotton-Siegel gibt es online oder in verschiedenen lokalen Verkaufsstellen. Für den Heimbedarf gibt es eine Reihe von Bett- und Badwaren und für den Alltag gibt es Baumwolleinkaufstasche in vielen Handelsketten. Außerdem wird auch seit neuestem die Nachfrage nach ethisch verantwortungsvoller Berufsbekleidung bedient.