Portrait: Recycled Claim Standard

Standardinhaber und Beteiligte:

Textile Exchange (TE), USA
Der amerikanische Verband Textile Exchange ist Inhaber des Recycled Claim Standard (RCS) sowie des Content Claim Standard (CCS), des Global Recycling Standard (GRS) und dem ebenfalls relativ neu erschienen Organic Content Standard (OCS).
Als Standardinhaber ist TE für die Standardentwicklung verantwortlich.

 

NEU:
Der neue Recycled Content Standard (RCS) wurde in Zusammenarbeit mit der "Materials Traceability Working Group", welche sich intensiv mit der Rückverfolgbarkeit von Materialien beschäftigt hat, entwickelt. Darüber hinaus hat die Endversion des Standards auch die Arbeitsgruppe der Outdoor Industry Association überarbeitet und der Input von Stakeholder der Industrie wurde ebenfalls bei der Standardentwicklung berücksichtigt.
Der neue Standard soll sich zu einem wichtigen Instrument für Firmen entwickeln, die mit wiederverwendeten Materialien arbeiten. Es wird zwei Kennzeichnungsmöglichkeiten geben, abhängig vom Anteil an recycelten Material im Endprodukt.

 

Klassifizierung:
Institutionell, unabhängiges Umweltlabel (Produktionsökologie nur bedingt, da nur auf Rohstoffeinsatz basierend). Warenflusszertifizierung (Chain of Custody Certification).
Typ A, Typ I
Third Party

Ziel, Hintergrundinformationen:

Der RCS-Standard stellt sicher, dass verwendete Materialen tatsächlich dem Abfallstrom entnommen wurden. Dabei werden die wiederverwerteten Materialien anhand von Transaktionszertifikaten entlang der gesamten Produktionskette zurück verfolgt. Die Transaktionszertifikate garantieren, dass die jeweilig angegebenen Mengen auch eingehalten werden.
Das Ziel des RCS ist, die Glaubwürdigkeit von Produkten aus recycelten Materialien und deren Kennzeichnung zu stärken. Durch diese Vertrauensbildung bei Verbrauchern, soll der vermehrte Einsatz von Recycling-Materialien unterstützt und damit auch eine Verringerung der Abfallmenge auf Deponien oder Verbrennungsanlagen erzielt werden.
Der TE Recycled Claim Standard prüft das Vorhandensein und die Menge an recycelten Material in einem Endprodukt. Der Standard ermöglicht eine transparente, konsistente und umfassende unabhängige Evaluierung und Verifikation von Recyclingmaterial und deren einheitlichen Kennzeichnung an Produkten. Es kann als B2B-Tool für Unternehmen zur Absicherung herangezogen und eine ehrliche Kommunikation mit den Verbrauchern gewährleisten. Der RCS basiert auf den Anforderungen des Content Claim Standards (CCS), in dem eine Warenflusskontrolle über die gesamte Wertschöpfungskette gefordert wird (= Chain of Custody Certification).
Der RCS bezieht sich auf die Definition von Recycling-Anteil der ISO Norm 14021, sowie der Auslegung der US Federal Trade Commission Green Guides mit der Absicht, den bekanntesten und strengen Definitionen zu entsprechen. D.h. der RCS beruft sich auf international anerkannte Begriffe wie "reclaimed" und "recycled", die von der International Organization for Standardization (ISO) und der US-Handelskammer anerkannt sind.
Verkäufer von RCS-Produkten wird empfohlen, die zulässigen Recycling-Anteile der jeweiligen Vermarktungsländer zu beachten und nachzuprüfen, dass alle gesetzlichen Anforderungen im Produkt erfüllt werden.

 

Geltungsbereich:

Der Standard ist für unterschiedlichste Produktgruppen/Produktkategorien gedacht, ganz gleich ob es sich um wiederverwertete Wolle oder um Kunststoffe für Parkbänke handelt.
Der Standard ist freiwillig und lässt sich auf Produkte anwenden, die aus pre-consumer und post-consumer Abfällen hergestellt sind.

 

Regelbereich:

Der RCS 100/blended fordert den Einsatz von wiederverwendeten Materialien zu einem bestimmten Prozentsatz (95-100 % bei RCS 100 bzw. mindestens 5 % bei RCS blended). Der Standard schreibt eine transparente, nachvollziehbare Dokumentation, Separation, eindeutige Identifikation bezüglich des Einsatzes von pre-consumer and post-consumer Abfällen. Der Einsatz der recycelten Materialien (selbst als Beimischung von geringen Anteilen) muss über alle Produktionsschritte sichergestellt werden. Durch den RCS nicht geregelt werden Anforderungen an Produktionsprozesse bzw. Umweltaspekte in der Verarbeitung (wie Energie, Wasser oder Chemikalieneinsatz), Qualität, Sozialverträglichkeit oder auch Gesetzeskonformität.

 

Absicherungssystem / Konformitätsprüfung:

Gefordert wird eine unabhängige 3-Parteien Zertifizierung.
Bei Organisationen, die nach dem RCS zertifiziert sind, wird durch Inspektionen der Input von reclaimed und recycled Materialien nachgeprüft sowie die Produktionswege nachvollzogen.
Kontrolliert und zertifiziert wird der quantitative Warenfluss, Separation und Identifikation durch jährliche Betriebsinspektionen in allen involvierten Firmen Vorort. Als Nachweis werden neben den Betriebszertifikaten für jede Warenbewegung sog. Warenbegleitzertifikate (transaction certicates) gefordert. Die Zertifizierung kann nur durch zugelassene Zertifizierungsstellen erfolgen. Zertifizierungsstellen werden auf der RCS Webseite aufgelistet.
Material Kollektion: stichprobenartige Prüfungen; Selbstdeklaration
Werkstoff Konzentration: stichprobenartige Prüfungen; Selbstdeklaration
Stoffliche Verwertung: komplette RCS-Zertifizierung; Transaktionszertifikate
Produktion und Handle: komplette RCS-Zertifizierung, mit Ausnahmen von Subunternehmer; Transaktion Zertifikate
Einzelhändler, die an Endverbraucher verkaufen, sind von der Zertifizierungspflicht ausgenommen, vorausgesetzt dass sie die RCS-Ware nicht Umverpacken oder (Wieder-) Labeln. Händler mit einem Jahresumsatz von weniger als 10.000 Dollar bezogen auf RCS-Ware müssen sich bei einer zugelassenen Zertifizierungsstelle registrieren lassen und diese unverzüglich informieren, sobald ihr Jahresumsatz $ 10.000 übersteigt.

 

Kennzeichnung:
Gegenüber dem Kunden gibt das RCS-Logo Gewissheit darüber, dass das Produkt die angegebene Menge an wiederverwerteten Anteilen aufweist.

RCS 100 Logo : "Hergestellt aus / Enthält 100% recyceltes Material"

RCS Blended Logo: "Hergestellt aus / Enthält X% recyceltes Material" für Produkte, die aus 5-95% recyceltem Material bestehen
Es gibt keine Beschränkungen auf den verbleibenden Inhalt.
Erlaubt ist auch die Kennzeichnung "Hergestellt aus / Enthält ein Minimum von X% aus recyceltem Material".

 

Märkte:
Textile Exchange hat ca. 250 Mitgliedsfirmen, derzeit sind noch keine Firmen gemäß dem Recycelt Content Standard zertifiziert. Alle zertifizierten Betriebe gemäß eines Textile Exchange Standards werden auf deren Webseite in einer Datenbank gelistet.

Weitere Informationen:

Recycled Claim Standard PDF (auf Englisch)

Textile Exchange Homepage: http://textileexchange.org/RCS