Portrait: STeP - Sustainable Textile Production
Neues OEKO-TEX® Zertifizierungssystem für nachhaltige Textilproduktion

---- AKTUELL: Treffen der OEKO-TEX® Institutsleiter in Luzern ----

Aus Anlass der Gründung des OEKO-TEX® Sekretariats vor 20 Jahren in der Schweiz fand das diesjährige Treffen der OEKO-TEX® Institutsleiter am 14. und 15. November in Luzern statt. Ziel der OEKO-TEX® Verantwortlichen ist es, die weltweit rund 10.000 beteiligten Unternehmen durch die OEKO-TEX® Produktzertifizierung auch künftig optimal zu unterstützen - beispielsweise bei der Einhaltung der REACh-Gesetzgebung oder im Hinblick auf die Umsetzung anderer Initiativen wie der Zero Discharge of Chemicals (ZDHC) Kampagne von namhaften Brands und Retailern, die sich verpflichtet haben, bis 2020 gemeinsam mit ihren Lieferfirmen dafür zu sorgen, dass problematische Chemikalien nicht in die Umwelt freigesetzt werden dürfen.

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NEU:
„Sustainable Textile Production" (STeP) löst den bisherigen OEKO-TEX® Standard 1000 ab. Im Juli 2013 wurde das erste (STeP) by OEKO-TEX®-Zertifikat für das Unternehmen Hermann Bühler AG ausgestellt. Als erstes deutsches Unternehmen zeichnetet das Hohenstein Institut im August 2013 die Mattes & Ammann GmbH für soziale Verantwortung und deren nachhaltige Produktion aus. Die STeP-Zertifizierung für nachhaltige Textilproduktion wurde im März 2013 im Rahmen des Prime Source Forum in Hong Kong erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt.

 

Klassifizierung:
Nachhaltigkeits-Label
Institutionell unabhängig
STeP by Öko-Tex: Typ A, Typ I,
Produktionszertifizierung, somit keine Produktkennzeichnung
Third Party

Ziel, Hintergrundinformationen:

Sustainable Textile Production (STeP)" ist ein OEKO-TEX® Zertifizierungssystem für Marken, Handelsunternehmen und Hersteller der textilen Kette, die ihre Leistungen in Bezug auf nachhaltige Produktionsbedingungen transparent und glaubwürdig nach außen kommunizieren möchten.

Dies STeP-Zertifizierung bietet sämtlichen Produktionsbetrieben entlang der textilen Wertschöpfungskette die Möglichkeit, auf Grundlage eines Scoring-Systems die Nachhaltigkeit ihrer Herstellungsbedingungen unabhängig bewerten und auditieren zu lassen. Weitere Aspekte sind die Beurteilung der Arbeitsbedingungen und der Einfluß von Produktionsbetrieben auf die Umwelt.

Ziel der STeP-Zertifizierung ist die Umsetzung umweltfreundlicher Produktionsprozesse, optimaler Arbeitssicherheit und sozialer Arbeitsbedingungen. Auf Basis der dynamischen Weiterentwicklung des STeP-Standards können zertifizierte Unternehmen ihre Umweltleistungen und soziale Verantwortung kontinuierlich verbessern.

Es erfolgt eine modulare Analyse aller relevanten Unternehmensbereiche wie Chemikalienmanagement, Umweltschutz, Umweltmanagement, Arbeitssicherheit, soziale Verantwortung und Qualitätsmanagement womit bewertet wird, in wie weit Produktionsbetriebe nachhaltig wirtschaften.

Die Nutzung des Labels ist nur für zertifizierte Betriebe nicht aber für Produkte möglich und ist auf maximal 3 Jahre befristet.

 

Geltungsbereich:

Die Zertifizierung ist für Produktionsbetriebe aller Verarbeitungsstufen von der Faserherstellung über die Spinnerei und Weberei/Strickerei bis hin zu Veredlungsbetrieben und Konfektionären möglich.

 

Regelbereich:

Chemikalienmanagement
• Einhaltung der Vorgaben einer Schadstoff-Ausschlussliste (RSL)
• Einführung eines geeigneten Schadstoff-Managements


Umweltschutz

• Einhaltung der vorgeschriebenen Grenzwerte
• Einsatz von bestverfügbaren Produktionstechnologien
• Optimierung von Produktionsabläufen
• Effiziente Nutzung von Ressourcen
• Verantwortlicher Umgang in Bezug auf Abfall, Abwasser, Emissionen etc.
• Reduzierung des CO2-Fußabdrucks


Umweltmanagement
• Nachweis eines geeigneten Umweltmanagement-Systems zur gezielten Koordinierung und systematischen Umsetzung aller Umweltschutzmaßnahmen
• Festlegung von Umweltzielen
• Regelmäßige Erstellung von Umweltberichten
• Implementierung von bestehenden Umweltmanagement-Systemen (z.B. ISO 14001)


Soziale Verantwortung
• Gewährleistung von sozialen Arbeitsbedingungen im Sinne der UN- und ILO-Konventionen
• Implementierung bestehender Sozialstandards (z.B. SA 8000)


Qualitätsmanagement

• Implementierung eines geeigneten QM-Systems, z.B. gemäß ISO 9001
• Gewährleistung von Rückverfolgbarkeit, Verantwortlichkeit und einer angemessenen Dokumentation in Bezug auf die Warenströme und hergestellten Produkte
• Weiterführende Management-Aspekte wie Risiko-Management oder Corporate Governance


Arbeitssicherheit

• Nachweis geeigneter Maßnahmen zur Gewährleistung der notwendigen Sicherheit am Arbeitsplatz (z.B. Filteranlagen, Gehörschutz etc.)
• Gewährleistung der Sicherheit von Gebäuden und Produktionsanlagen (z.B. durch bauliche Maßnahmen, Fluchtpläne, Trennung von Produktionsbereichen etc.)
• Implementierung bestehender Sicherheitsstandards (z.B. OHSAS 18001)

 

Absicherungssystem / Konformitätsprüfung:
Die STeP-Zertifizierung führt die Internationale OEKO-TEX® Gemeinschaft mit Ihren 15 Mitgliedsinstituten und Kontaktbüros in über 60 Ländern durch, wobei es sich um akkreditierte, unabhängige Textilprüf- und Forschungsinstitute handelt.


Das Absicherungssystem besteht aus einem Assessment, Scoring, Audit und Kontrollen


Assessment:
Um die Nachhaltigkeit von Produktionsbetrieben beurteilen zu können, Daten und Kenngrößen web-gestützt mit Hilfe eines Assessment-Tools erhoben.
Scoring: Die STeP-Zertifizierung umfasst drei unterschiedliche Levels, die das erreichte Ausmaß in Bezug auf nachhaltige Produktions- und Arbeitsbedingungen beschreiben:

• Level 1 = Eintrittslevel
• Level 2 = Gute Umsetzung mit weiterem Optimierungspotenzial
• Level 3 = Vorbildliche Umsetzung im Sinne eines Best-Practice-Beispiels

Auf dem 2-seitigen STeP-Zertifikat sind folgende Scoring-Ergebnisse ausgewiesen:

• das erreichte Nachhaltigkeits-Level
• eine Gesamt-Bewertung in Prozent
• eine Einzel-Bewertung der analysierten Unternehmensbereiche in Prozent


Audit: Die im Rahmen des Assessments werden die vom Unternehmen bereitgestellten Informationen und Daten analysiert und bewertet. Die Überprüfung erfolgt in Form einer Auditierung des Produktionsbetriebs durch das betreuende OEKO-TEX® Institut.


Kontrolle:
Zusätzlich zu den Audits im Rahmen der STeP-Erstzertifizierung werden auch sog. Zwischen-Audits (Compliance Audits) und unangekündigte Firmen-Audits durchgeführt.


Ein STeP-Zertifikat ist drei Jahre lang gültig.

Kennzeichnung:

Zertifizierte Produktionsstätten können das Label für Werbezwecke verwenden. In Zusammenhang mit dem Logo muss die Produktionseinheit, ZertifikatsNr./Lizenznr. genannt sein (z. B. auf Briefpapier, offiziellen Dokumenten, auf Messeständen, etc.). Das Label kann nur zur Kennzeichnung zertifizierter Betriebe/Unternehmen genutzt werden, aber nicht zur Kennzeichnung von Produkten.

 

Märkte:

Im Juli 2013 waren gemäß dem Vorgänger-Standard Oeko-Tex Standard 1000 insgesamt 62 Unternehmen zertifiziert (Spinnereien, Weber, Stricker, Färber, Veredler und Konfektionäre), wovon 21 Unternehmen es gestattet war, das Oeko-Tex 100plus-Logo für die Produktkennzeichnung zu nutzen. Es existieren wenig gelabelte Endprodukte auf dem Markt. Es ist davon auszugehen, dass alle Firmen, die bereits nach Öko-Tex 1000 zertifiziert waren, künftig gemäß dem STeP zertifiziert werden. Derzeit (Sep. 2013) wurde von zwei STeP-zertifizierten Unternehmen berichtet.

Weitere Informationen:

OEKO-TEX Homepage: https://step.oeko-tex.com/de/step/step_home/home.html